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Sonntag, 11. April 2010

TARGET EXPORT - DER GROSSHANDEL



Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, entstand die Export-Großhandelsidee aus dem Zwecke heraus, die eigenen Labelproduktionen besser vertrieben zu wissen. Da es aus administrativen Gründen nahezu unmöglich war, bei den ausländischen Vertrieben und Großhändlern als Lieferant gelistet zu werden, wenn man nicht mindestens 150-200 Titel im Programm hatte, nutzten wir die Möglichkeiten, die sich durch die Verbindungen und Schnittstellen von CD -Herstellung via Panteon, Labelkontakte durch Eigenproduktionen und Dragnet Direkteinkäufe bei den Labeln, ergaben.


Anfänglich noch gemeinsam mit Panteon in den Räumen der Süsterfeldstrasse als DRAGNET DISTRIBUTION agierend, ging TARGET EXPORT erst so richtig an den Start, nachdem die schmerzhafte Entscheidung gefallen war, die Labelarbeit einzustellen und das Ladenlokal zu schließen. Man bezog im Februar 1998 eher unauffällige Räumlichkeiten in der Weststrasse, die mit insgesamt knapp 450 m2, die angestrebten Expansionsbedürfnisse auch langfristig befriedigen sollten. Interessanterweise (auch für die AC Untergrund Kultur Blog Leser) war unser sehr freundlicher und umgänglicher Vermieter niemand geringerer als Horst Pach, der Sohn von ALLO PACH.



Zu Anfang noch schwerpunktmäßig im INDUSTRIAL und DARK WAVE Sektor agierend erweiterte sich das Angebot nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ immer mehr. Fast sämtliche Musikrichtungen wurden in das Programm integriert. Wir arbeiteten zum einen mit den Labeln DIREKT und dann meist auf Kommissionsbasis, zum anderen kauften/listeten wir ausgewählte Titel und Label inländischer Vertriebe wie EFA, INDIGO, ROUGH TRADE, NEUTON, usw. Dank einer eigenen, von einem Mitarbeiter selbständig weiterentwickelten Datenbank waren wir in der Lage, für bestimmte Territorien individuelle Exportrestriktionen zu integrieren. Dies war notwendig, um die Inlandvertriebe zu überzeugen, dass wir keine Länder belieferten, wo sie selbst aktiv waren.


Da wir unseren Kunden, meist Läden und Mailorder, in den wöchentlich erscheinenden, durchschnittlich 30 bis 40 Din-A4 Seiten umfassenden Neuheitenlisten, sehr informative Beschreibungen lieferten, verbunden mit einem sehr großzügigen Retourenrecht, konnten wir immer wieder interessante Stückzahlen auch von kleineren Acts und Labeln verkaufen. Wer sich ernsthaft interessiert, wie so eine Neuheitenliste ausgesehen hat, kann sich HIER ein Muster als pdf runterladen.


Eine immense Bereicherung unseres Programms erlangten wir Anfang des neuen Jahrtausends, als wir begünstigt durch die Dollarschwäche und dem Auffinden einer preislich attraktiven, kleinen Überseespedition, regelmäßige USA Lieferungen bezogen. Zum einen von Vertrieben und Großhändlern und zum anderen von diversen Labeln direkt.

Drei wesentliche Nackenschläge in kurzer Folge Anfang/Mitte der Nullerjahre läuteten das absehbare Ende des Großhandels ein. Zum einen erhöhte DHL (wo wir bis dato außerordentliche gute Exportkonditionen erhandelt hatten) die Versandpreise nach Japan, Australien und in die USA um teilweise 150-200 (!!) Prozent.

Unser umsatzstärkster Lieferant (fast 25%), meinte plötzlich den Export exklusiv in Eigenregie übernehmen zu können (was dann mittelfristig ordentlich daneben ging), und strich sämtliche Exportpreisnachlässe. Dies kostete uns viele Kunden, die primär DIESES Programm bei uns orderten und nur zusätzlich auch andere Label und Titel. Stück für Stück erholte sich der Dollar SOO gut, das es sich für viele US-Shops nicht mehr lohnte (auch wegen der erhöhten Portopreise) bei uns zu ordern.


Die lautlos schleichende Unwirtschaftlichkeit wurde durch die immer stärker werdende „Brennkultur des reinen Gewissens", der Endkonsumenten forciert. Dies finde ich aber insofern nachvollziehbar, da die CD-Preise über Jahre hinweg von der „Industrie" unnötigerweise hochgehalten wurden und die Kunden, dies nicht mehr mitmachen wollten, zumal sich nun ganz andere Möglichkeiten der Musikbeschaffung offenbarten. Wir versuchten in den letzten beiden Jahren noch mit einem Mailorderkatalog für Endkunden unter der Bezeichnung SOUND-CONTROL (ein gesonderter Beitrag folgt) dagegenzuhalten und obwohl der Mailorder kontinuierlich expandierte, wurden die Großhandelsverluste nicht in dem Maße kompensiert, dass wirtschaftlich sinnvoll weiter gearbeitet werden konnte.

Ende März 2008 wurde TARGET EXPORT nach 10 Jahren Weststrasse aufgelöst. In dieser Zeit gab es auch dort eine Unmenge erzählenswerter Dinge, für die ein Blog ja eigentlich herhalten sollte. Ob Kundenspezifisches, Paketabholserviceskurilles, personalrelevantes Absonderliches, Weihnachtsessen nach vorheriger Inventur, oder auch umfassendes Nahrungslieferantengedöns. Ich glaube es wäre ganz witzig noch das ein oder andere diesbezüglich einzustellen und hoffe dabei auch auf Erinnerungen, Einfälle, Hinweise, Kommentare ehemaliger Mitarbeiter. Erinnert sich eigentlich noch jemand an den ferngesteuerten Wolltypen, der sein außerirdisches Lager UNTER unseren Räumen innehatte?

Kommentare:

  1. Achso Jung, ihr habt zugemacht. Ich dachte schon, das wär wegen der ganzen Pappchinesen, dass ihr keine Dubrovnikteller und Papprahmsoße mehr holen kommt.

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  2. 123 extra scharf und 125 anstatt Hähnchen bitte Tofu. Wie lange dauert es ungefähr?

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  3. Irgendwie hätte ich Böcke noch mal 'ne Woche bei Target rumzuwuseln...

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  4. Pizzeria Mon#o13 April, 2010 23:13

    Hat mittlerweile schonmal jemand einen Hinweis auf einen Nachmieter der besagten Räume in der Weststraße gesehen?

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  5. Nee...eigentlich nicht. Aber WALTER ist ja öfter in der Gegend. Vielleicht hat ER was entdeckt??

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  6. Nee Jung, da ist immer der Rolladen runter. Nur den Herrn Pach habe ich einmal auf dem Dach rumturnen sehen. Die Holländer unten drunter sind glaube ich noch da, aber essen tun die immer woanders.

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  7. Gehst Du in das Kaufland rein, kannst Du kein Freund vom Walter sein !

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  8. Die Schließung war gut für die Ernährungsgewohnheiten der Mitarbeiter, aber schlecht für meine Seele...

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  9. ...momentan entwerfe ich Neuheitenlisten sobald ich eine größere Menge Lebensmittel eingekauft habe....

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  10. Habt ihr noch Restposten zu verkaufen ?

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  11. Nö...alles retourniert, verkauft, verschenkt oder vernichtet.

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