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Montag, 27. Dezember 2010

DRAGNET versus SONY


Wie bereits in einem früheren Beitrag angekündigt, gibt es eine hübsche und für die Entwicklung der Dragnet'schen Geschäftszweige nicht unerhebliche Geschichte zu erzählen, die sich im Herbst 1993 zugetragen hatte.

Bereits auf der Kölner Popkomm wurde ich am riesigen SONY Stand gewahr, dass besagter Konzern ein Indielabel und eine Marketingabteilung mit dem hübschen Namen DRAGNET RECORDS gegründet hatte und mit ziemlichem Promotionsaufwand, nicht nur die aktuelle und auf eben diesem Sidelabel erschiene Veröffentlichung von BAD RELIGION zu bepreisen, sondern auch das im Aufbau befindliche Label/Etikett werbewirksam zu etablieren.

Zu diesem Zwecke war nicht nur der Stand mit Flyern und Postern mit dem nicht unattraktiven Logo dieses Labels übersät, sondern es gab auch eine Promotions-CDs mit einer Auswahl erschienener oder geplanter Veröffentlichungen. Zwar enttäuscht ob dieses Namensvetters, gedachten wir aber weiterhin in friedlicher Koexistenz die industrielle Musiklandschaft zu bereichern.

Kurz nach der Popkomm erhielten wir jedoch den Anruf eines Rechtsanwaltes der SONY, der unmissverständlich zu verstehen gab, dass die Existenz eines zweiten DRAGNET Labels zwangsweie zu einer Irreführung des Marktes führen würde, und wir innerhalb allerkürzester Zeit 'unsere' Marke Dragnet (wie es im Juristenjargon heißt) einzustellen und bestehende Produktionen zu vernichten oder mit entsprechend neuer Inlayetikettierung zu versehen hätten.
Auch aus Unerfahrenheit davon ausgehend einem Sony Rechtstreit (auch und vor allem finanziell) nicht gewachsen zu sein, gab ich während dieses Telefonats gedanklich bereits den Namen auf und in einem schelmischen Anflug von Autoritätsignoranz erdreistete ich mich zu fragen, ob es denn eine Art Sony-Kaffekasse gäbe, die meine Energie zur noch rascheren Umsetzung einer Namensänderung freisetzen könnte. Zu meiner sehr grossen Überraschung verstummte der Anwalt kurz und fragte, an welchen Betrag ich denn gedacht hätte. Nach Nennung eines wirlich geringen Betrages im mittleren vierstelligen Bereich, bat der Herr Anwalt sich einige Tage Bedenkzeit aus, um diese Möglichkeit mit seiner Mandantin zu besprechen.

Kurze Rede, langer Sinn!
Damit war ich geweckt!!
Ich dachte mir sofort, wenn ein so grosses Majorlabel juristisch nichts zu zahlen hätte, dann würde es auch nichts zahlen. Daraufhin konsultierte ich eine Rechtsanwaltsgrösse auf der Theaterstrasse, der klar und deutlich meinte, dass wir nur einige Beweise ans Tageslicht zu fördern hätten, die eindeutig die frühere Benutzung der Marke, bzw. Labelbezeichnung DRAGNET RECORDS dokumentieren würden. Damit könnten wir dann eine sogenannte Priorität der Marke nachweisen.

Dies gestaltete sich relativ einfach, da wir bereits mehre Veröffentlichungen unter dem Labelnamen, inklusive diverser Anzeigenschaltung in gängigen Magazinen vorzuweisen hatten. Dazu kamen vertragliche Vereinbarungen mit Vertrieben wie EFA oder der FNAC-Kette in Frankreich, die die Labelbezeichnung dokumentierten. Und dies alles gut 2 Jahre BEVOR Sony-Dragnet aktiv wurde.

Auf Anraten unseres Anwalts verklagten WIR nun Sony auf Rücknahme IHRER Dragnet-Marke inklusive der daraus resultierenden Änderungen bereits hergestellter CDs und Inlays oder aber der Zahlung einer mehr als beträchtlichen Summe, um den Namen zu behalten. Daraufhin würden WIR den Labelnamen ändern, jedoch sollte dies nicht die Namensführung des Ladenlokals betreffen.

Nach vielen Schriftwechseln und Betragdrückungsversuchen erklärte sich die SONY letztlich bereit, die geforderte Summe zu zahlen, die es uns mehr als erleichterte die Labelbezeichnung von DRAGNET RECORDS in DRAG&DROP zu ändern und die das Startkapital bildete, um mit unserem "grossen" Label SCOUT RELEASES an den Start zu gehen.

SCOUT wurde übrigens in den Folgejahren ebenfalls zweimal mit einer Klage gedroht; dazu aber in einem späteren posting mehr...

Kommentare:

  1. Interessanterweise gab es zwichen 2000 und 2008 noch ein Indie-Label in Seattle namens Dragnet Records

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  2. Danke für den Hinweis 'headsign'. Habe ich gar nicht gewusst und gerade mal gegoogelt. Recht klein aber fein. Drei Longplay releases und 4 singles. Und von 'Intelligence' habe ich sogar die recht gute CD: Icky Baby auf IN THE RED von 2005, die offenbar nach dem Wechsel von Seatlle-Dragnet zu In the Red erschien.

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  3. Wundert mich dass Sony sie nicht zertreten hat

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  4. Kenne ja die Geschichte und finde es immer noch klasse, dass ihr Sony damals tatsächlich "in die Knie zwingen" konntet.
    Sicher würden denen solche klaren Fehler heute in Internetzeiten nicht mehr passieren,...oder?

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