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Montag, 13. Juni 2011

DRAGNET EINFLÜSSE - ARTWARE


Sicherlich passt es ganz gut in den blog, einige konkurrierende und gleichzeitig partnerschaftlich verbundene Weggefährten dieser teils abenteurlichen Zeit zu porträitieren. Solche Beiträge erhalten künftig das Label (Stichwort) ZEITGEIST. Besonders in der Industrial-Szene profitierten damals alle voneinander. Ohne grossangelegte Tauschdeals von Eigenproduktionen, wäre es auch für DRAGNET schwer gewesen, ein derart umfassendes Programm aufzubauen.

Ich gebe an dieser Stelle gerne zu, dass noch vor der Ladeneröffnung, der Mailorderkatalog von ARTWARE, sowie die Münchener 'In Search Of Extremists - Listen' von FRANZ LIEBL einen prägenden Einfluss auf mich ausgeübt haben. Auch die unzähligen, meist angenehmen Telefonate mit Donna (eigentlich Donata) Klemm sind mir noch gut in Erinnerung. Damals regelte man die Dinge noch per Telefon oder mittels handgeschriebener Postkarten, da e-mails in hiesigen Landen noch gänzlich unbekannt waren.


Ähnlich wie bei Uli Rehberg, dem ehemaligen Betreiber des legendären Hamburger Plattenladens UNTERM DURCHSCHNITT, erhielt man mitunter auch kleine schreibmaschinengefertigte Zettelchen rudimentären Inhalts, die letztendlich aber auch ihren Zweck erfüllten. Glücklicherweise fand ich ich derartiges Artefakt in dem Mailorderkatalog von 1989.

ARTWARE's Sitz war in Wiesbaden und die Betreiber waren besagte Donna und ein Uwe, mit dem ich aber so gut wie nie zu tun hatte. ARTWARE hatte ein sehr ansprechendes und umfassendes Programm zusammengetragen, ohne dabei aber so aufdringlich elitär wie beispielsweise RECOMMENDED / No Man's Land wirken zu wollen. Besonders bemerkenswert war auch das grosse Angebot an untergrundigen Printmedien. Neben den Hauptkatalogen erschienen sehr unrelmäßig und fast immer verspätet sogenannte Artware Lagerlisten.

Ich habe vor DRAGNET einige D-Mark zum Aufbau meiner eigenen Sammlung, bei Artware lassen müssen und denke gerne an die spannenden Momente zurück, wenn ein neues Paket ankam und mein Kopfhörer für Stunden und teilweise halbe Nächte seiner angedachten Bestimmung zugeführt werden durfte. Ähnlich dürfte es in den Folgejahren einem sympathischen Teil der DRAGNET Mailorderkunden gegangen sein.

ARTWARE hat dann auch so ungefähr zur DRAGNET Auflösungszeit Ende der 90er die Eigenlabelaktivititäten eingestellt, scheint aber immer noch auf andere Art und Weise in der Szene aktiv zu sein.

Kommentare:

  1. Sehr schöner Beitrag und sehr gute Idee mit der ZEITGEIST Sektion. Sollte aber irgendwie immer was mit Dragnet/Scout/etc. zu tun haben und die Verbindung erwähnt/erklärt werden, meine ich...

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Der Zeitgeist hat in diesem Fall mit dem zu tun, was man heute als "Networking" bezeichnen würde. Man bekam, wenn man sich für Industrial und Randgebiete interessierte, zur damaligen Zeit eben schnell Kontakte, von denen man dann in der vom Erzähler beschriebenen Weise profitieren konnte. Anders war es z.T. auch unmöglich, Warenbestände zu beschaffen, auch Kontakte zu Bands liefen so.
    Eine traurige Ergänzung: Donna ist bereits vor drei Jahren, im Sommer 2008, verstorben.

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  4. Das tur mir aber wirklich leid!! Habe ich gar nicht gewusst. Da TARGET im März 2008 schloss und Donna dann, wie ich soeben recherchiert habe, im Juni 2008 verstarb, war ich nicht wie gewohnt up-to-date. Diese traurige Nachricht wäre sicherlich ein Thema bei diversen Telefongesprächen mit dem ein oder anderen Industrial Label, kleineren Vertrieben und Kunden gewesen. R.I.P.

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