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Freitag, 30. April 2010

THE HANDSOME FAMILY - INVISIBLE HANDS



Der überfällige erste Beitrag über mein Labellieblingskind THE HANDSOME FAMILY, ein US-amerikanisches Alternative-Country Duo. Das Ehepaar Brett und Rennie Sparks lebt mittlerweile in Albuquerque in New Mexico. Brett schreibt die Musik und Rennie die auch schriftstellerisch tätig ist, die oft abstrusen und drastischen Texte, die von Brett in gleichmütigem, warmem Bariton vorgetragen werden.



ALTERNATIVE COUNTRY ist übrigens eine in den 90er Jahren entstandene und in den ‚Nuller Jahren’ aufgeblühte Musikgattung zu der neben HF auch Bands wie beispielsweise GALEXICO, GIANT SAND, OKKERVILL RIVER, SONGS OHIO, LAMBCHOP, HAZELDINE, WILCO, SON VOLT, WACO BROTHERS, MEKONS, FRIENDS OF DEAN MARTINEZ, JAYHAWKS, FREAKWATER (um nur einige zu nennen), ihren teilweise hervorragenden Beitrag geleistet haben.

Nicht ohne Stolz dürfen wir behaupten, mit viel Einsatz und Herzblut maßgeblich beteiligt gewesen zu sein und die Weichen für den Insiderbekanntheitsgrad von HANDSOME FAMILY in Deutschland, England und Europa, gestellt zu haben. Dazu mehr in den folgenden Postings.

In den USA und England haben die Kritikerlieblinge mittlerweile eine mehr als treue Gefolgschaft und jedes neue Release - und die ‚ansehnliche Familie’ lässt sich dabei in der Regel viel Zeit- wird sehnlichst erwartet und gekauft. In Nachschlagewerken und musikhistorischen Abhandlungen haben sie verdientermaßen längst ihre Würdigung erfahren.

Was die Scout-Veröffentlichungen der Handsome Family betrifft, rolle ich das Feld von vorne nach hinten auf. Wir veröffentlichten jeweils in Lizenz vom amerikanischen Homelabel CARROT TOP die Debut-CD ODESSA, den Nachfolger MILK & SCISSORS und ZULETZT als ‚Vinyl Only’ die 6-Track Mini-LP: INVISIBLE HANDS, von der es hier die Tracks TIN FOIL und BURY ME HERE zu Hören gibt.

Die Platte ist auf 1000 Stück limitiert, seit langem vergriffen und mittlerweile ein gesuchtes Sammlerstück. Zu der Zeit dieser Veröffentlichung waren THE HANDSOME FAMILY übrigens auf US-Tour im Vorprogramm von WILCO.

CARROT TOP schreibt auf seiner Webseite eine sehr gute, umfassende Beschreibung zu INVISIBLE HANDS, der kaum etwas hinzuzufügen ist.

„Invisible Hands is the Handsome Family's first release since 1996's "Milk and Scissors" studio album (SAKI011) and is limited to 1000 copies worldwide. A 6 song, vinyl only mini-album that comes in a full color LP jacket, It is comprised of 5 new, exclusive songs, as well as "Tin Foil" from their last record. Once again we're treated to a view of the world colored by grey skies, rain on the windowpanes, and a strange, heart-tugging longing for better times far past that probably never existed. "Tin Foil" is a loping country waltz with reflections on physics, physical decrepitude, and relationships gone by. It is also the subject of a short musical film shot and written by Chicago director Bill Ward, featuring The Handsomes as actors and with "Tin Foil" as it's premise. The five exclusive songs sweep through the Handsome Family repertoire, with an emphasis on traditional country and Appalachian folk music. "Cathedrals" is a Hank Williams' style peon to the gothic cathedrals in Cologne, Germany and the summer playland of the Wisconsin Dells highlighted by Brett's West Texas drawl and some tasty, if loose, slide guitar. "Grandmother Waits for You" is a mournful, beautiful, tear jerking ballad of what awaits all of us after we kick the bucket accentuated by Rennie's vocal harmonies and vivid lyrical portraits. "Bury Me Here" brings the autoharp and lap steel out of the closet and winds it's way past the graveyard like a lazy river on a hot summer day. "Barbara Allen" is a Merle Travis song from 1947 that appeared on the Bloodshot "Straight Outta Boone County" compilation. And bringing up the rear is their latest composition, "Birds You Cannot See", an instrumentally sparse, near church hymn played only on bass and autoharp that combines virtuous aphorisms with lyrical imagery beyond the surreal."

Ebenfalls zu sehen, das damals verwendete deutsche Promotionsinfo und als Kostprobe eine Seite der lohnenswerten Textbeilage. Das Live-Photo von Rennie wurde 1996 im Kölner Underground aufgenommen.

TIN FOIL


BURY ME HERE


Donnerstag, 29. April 2010

DRAGNET WEGBESCHREIBUNG



Hier ein Exemplar der patentierten DRAGNET Wegbeschreibung. Diese befand sich nicht nur in einigen Mailorderlisten, sondern auch hin und wieder auf den Rückseiten der Jubiläumsflyer.

Für Ortskundige sicherlich ganz nett und hilfreich, für Außerstädtische und stark angetrunkene Personen oder Psychedelic-Hörer eher irritierend.
Wie auch immer... ein hübsches, kleines Relikt.

Montag, 26. April 2010

FROTHY MURMURS - SCOUT DEMOTAPE



Das Tape von Frothy Murmurs aus London, verbunden mit den beiliegenden Fotos, Flyern und dem originellen Schreiben ließen sofort aufhorschen. Nach einigen Telefonaten mit der Sängerin, Gitarristin und Songwriterin Orna, ersten Vertragsentwürfen und der Möglichkeit einen Auftritt im altehrwürdigen Underground-Club MEAN FIDDLER zu besuchen, schien eine Zusammenarbeit sehr wahrscheinlich.

Nachdem einige andere sinnvolle Termine in und um London arrangiert wurden, flog ich denn mit den angepassten Verträgen, ganz producermäßig nach London und traf mich mit den beiden (Freund und Freundin) in einem von Ihnen im Vorfeld vorgeschlagenen Cafe/Kneipe in Kensington.

Dort wurde ich dann überrascht von einer sehr ruppig-penetranten Wortführung des Gesprächsdominanz suchenden männlichen Parts (Bassist) der Band. Mit leichtem Superstarimage hinterfragte er auch die allersinnlosesten Details (ob wir denn ausreichende Verkaufsmöglichkeiten in Venezuela hätten oder artverwandtes Kaliber).

Die optisch nur äußerst rudimentäre Ähnlichkeit mit dem gesandten Foto der Sängerin, tat ein weiteres, um meine angedachten chauvinistischen Vermarktungsmöglichkeiten realistischer erscheinen zu lassen. Der Vertrag könne natürlich in DER von mir vorgefertigten Art und Weise ohne vorherige Konsultation eines umfassenden Anwaltsstabes nicht akzeptiert werden, ließ Bono oder wie immer sein Name war, noch kurz vor der Verabschiedung verlauten.

Ich darf an dieser Stelle anmerken, dass es bis zu diesem Zeitpunkt außer des versendeten -und wie auf den Soundfile zu Hören ist, Super-Lo-Fi Demotapes keinerlei weitere Veröffentlichungen der Band gegeben hat und sie lediglich durch eine sich in den letzten Monaten steigernde Anzahl an Auftritten, einen Hauch von lokaler Außenbezirkbekanntheit erlangen konnten.

Dennoch -da ich nun schon mal da war, und Orna, eine New Yorkerin, die sehr sympathisch war und immer wieder verzweifelt versuchte Paul McCartney zu bremsen- kam ich Ihrer Bitte und dem eigentlichen Anlaß nach, den abendlichen Gig in jedem Falle zu besuchen.

Der Auftritt wurde mitorganisiert von dem bekannten (zumindest heutzutage) englischen Tierschutzverein PETA, einer „Meat Is Murder" ähnlichen Vereinigung, die u.a. eine ethische Behandlung von Tieren fordert. Es war recht ordentlich gefüllt und FM lieferten einen kraftvollen Lo-Fi Indiegig, der mich wieder etwas fröhlicher stimmte, obwohl die Tanzeinlagen eines als Karotte verkleideten PETA-Mitarbeiters zumindest fragwürdig schienen.


Wir beschlossen ihre in Arbeit befindlichen neuen Stücke abzuwarten und dann noch einmal weiterzusehen. Überraschenderweise war dieses tape (das ich relativ zeitnah erhielt), bis auf zwei Stücke ziemlich schwach und irgendwie uninspiriert, trotz der teilweisen Mitwirkung eines Drummers aus Kalifornien, der seinerzeit bei der US Formation SNOWMEN spielte. Damit war das Thema dann auch erledigt.

Ich überlegte noch, im Rahmen des an anderen Stellen bereits erwähnten SINGLES-CLUBS, den Track STUPID als Single zu veröffentlichen, aber dies blieb dann auch unverwirklicht.

OKAY


STUPID


Mittwoch, 21. April 2010

DIE DRAGNET JUBILÄEN



Sicherlich immer noch gut in Erinnerung, zumindest bei denen die dabei waren, sind die jährlichen DRAGNET Jubiläumsfeiern, wo es neben Salzstangen, Käseköpfen, Sekt und anderem Naschwerkzeug auch immer radikal reduzierte Sonderpreise gab. Und ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich sage, dass die Quantität, die Qualität und vor allem die tatsächliche Höhe der Preisnachlässe ziemlich einzigartig war.

Diese Tatsache hatte sich auch relativ schnell rumgesprochen, denn bereits ab dem 4.Jahr bildeten sich lange Schlangen VOR dem Öffnungszeitpunkt (10:00 Uhr) des Ladenlokals. Ich erinnere mich sehr genau an ein Jahr, wo die Schlange fast bis zur Theaterstrasse ging. Vielen Dank an ‚matatu’ für die Entdeckung und Übermittlung des aussagekräftigen schwarz/weiß Fotos.


Aufgrund der relativen Überschaubarkeit der Schlange, vermute ich, das dieses Foto zum sechsten Jahrestag so gegen 09:30 Uhr aufgenommen wurde.

Die erste Jubiläumsfeier wurde zum 2-jährigen noch datumsgerecht zum 07.09 abgehalten. Im Laufe der Jahre verschoben sich die Daten ein wenig. Zum ersten wollten wir natürlich immer Donnerstags feiern, da zu dieser Zeit die verlängerten Ladenöffnungszeiten noch auf diesen einen Wochentag (bis 20.30 Uhr) beschränkt waren. Nachher haben wir es nicht mehr so ganz genau genommen und auch mal im Oktober oder November gefeiert. Jedenfalls war immer der Bär los und ab ca.18:00 Uhr war es zeitweise SO voll, das man nicht mehr rein kam.
Der Sektkonsum, die Menschenmenge, die immer lauter werdende Kommunikation und der Zigarettendunst - damals durfte man noch ungestraft rauchen- ergaben eine sehr familiäre, kneipenähnliche Atmosphäre und dem Gesetze zum Trotz, feierten wir oftmals bis 23:00 Uhr oder länger.

Da zu den Jubiläen aufgrund vorbereiteter Flyer in den Mailorderlisten auch ab dem Nachmittag viele auswärtige Kunden aus NRW oder weiter auftauchten, gab es für uns immer ein sehr interessantes, gemischtes Publikum zu bestaunen. Erstaunlicherweise interessierte sich die auswärtige Kundschaft in der Regel nur marginal für die Sonderangebote. Die Umsätze in den Bereichen Industrial, Modern Classic, Gothic und Alternative/Indie (hier besonders Singles) erreichten an diesen Tagen immer wieder Rekordhöhen.

Im Laufe des Tages konnten wir auch immer Erstbesucher begrüßen, die durch, in der Innenstadt verteilte Werbeflyer zum Jubiläum, auf den Laden aufmerksam gemacht wurden.

Neben den Schnäppchenhaien waren auch immer die meisten unserer Lieblingsstammkunden anwesend, die uns in der Regel erst einmal per Handschlag gratulierten, bevor sie die Sonderpreise begutachteten.

Nicht unerwähnt bleiben soll aber auch der immense Vorbereitungsaufwand der nötig war und das Engagement ALLER Mitarbeiter um das gute Gelingen und den relativ reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Im Besonderen gilt dies für Jörg, Sascha R, Sascha S, Georg, Thomas, Sophia, Ralf, Bernd und diverse Helfer im Hintergrund.

Die ersten vier Flyer sind in DIESEM posting zu sehen, die Flyer für die Jahre 6 und 7 folgen in einem weiteren, kleinen Beitrag.

Noch einmal die Bitte: Ich weiß, dass während der Jubiläen immer wieder Fotos gemacht wurden. Leider besitzen wir nicht ein einziges.

Wer noch eins findet, möge dies bitte, gegen musikalischen Finderlohn, mailen an scoutreleases@googlemail.com

Sonntag, 18. April 2010

JOHN PEEL SHOW - SEPTEMBER 1990

Ich nutze dieses Blog, um meine große Verehrung für die DJ Legende JOHN PEEL zu äußern. Sicherlich wäre mein (Musik)leben in andere Bahnen gelenkt worden, wenn ich nicht in den (sehr) späten 70er Jahren und 80ern die Vielfältigkeit, Kompromisslosigkeit und hohe Qualität seiner Sendungen hätte kennen und lieben lernen dürfen.

Seit geraumer Zeit tauchen im Internet immer mehr alte Tapes mit damals aufgenommenen Shows auf und ich lade alles herunter, was ich kriegen kann und empfehle jedem ernsthaft interessierten Musikfreund, es mir gleichzutun.

Die elegante Brücke zu Dragnet liegt darin begründet, dass ich nun eine Sendung aufgetan habe, die im September 1990, dem Eröffnungsmonat des Shops, über den Äther lief und jetzt HIER als Stream oder Download genossen werden kann.

Es handelt sich um einen 45 minütigen Auszug der Sendung und glücklicherweise beginnt die Sendung mit einer seiner so typischen südafrikanischen Ausgrabungen, die ich immer erfolglos versucht habe zu ergattern und von denen ich selbst heute noch Platten suche.

Die Sendung gibt einen guten Überblick über die Musik zu dieser Zeit. Das verwendete Foto ist die Coverabbildung seiner empfehlenswerten Biographie.
Habe noch ältere Sendungen archiviert. Wer Interesse hat, bitte kurz mailen.

Freitag, 16. April 2010

MANON ANNE GILLIS - DRAGNET DEMOTAPE



ANNE GILLIS hatte bereits in den 80er Jahren vier exzellente, konkrete Alben veröffentlicht, die leider nur gemäßigten, kauftechnischen Zuspruch fanden. Mir bis heute unbegreiflich, da diese Werke teilweise revolutionäre Ergebnisse in der gelungenen Realisation elektroakustische Musik „musikalisch" zu machen, lieferte. Ihre teilweise extrem beklemmende Musik war einzigartig und atemberaubend klaustrophobisch.

Ich erinnere mich gut an eine Ladenszene, als ihr Album BISHERIGORI im Hintergrund (nun gut, nicht ganz im Hintergrund, war schon etwas lauter) lief und ca. sieben oder acht Kunden im Laden verstreut, die Ware begutachteten. Man konnte quasi physisch spüren, wie bedrückend und schwer diese Klänge den Leuten (und mir) aufs Gemüt schlugen. Innerhalb weniger Minuten war der Laden leer.

1994 gelangte ich an die persönliche Kontaktadresse von Anne und schlug eine Veröffentlichung auf DRAGNET vor. Die „scheue" Künstlerin sendete mir das hier gezeigte Tape mit dem schlichten Titel CD6. Obschon begeistert von dem neuen Werk, kam die Realisation einer Veröffentlichung nicht so recht in die Gänge.

Da wir noch einige andere Projekte am Laufen hatten, blieb ich nicht so hartnäckig an dieser Produktion dran wie sonst üblich. Ohne weitere Information erschien dann das Werk Anfang 1995 in marginal abgeänderter Form und knapp 2 Minuten kürzer unter dem Titel EURAGINE bei dem französischen Label ‚Sounds for consciousness rape’.

Das Originaltape gibt es HIER als download.

Sonntag, 11. April 2010

TARGET EXPORT - DER GROSSHANDEL



Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, entstand die Export-Großhandelsidee aus dem Zwecke heraus, die eigenen Labelproduktionen besser vertrieben zu wissen. Da es aus administrativen Gründen nahezu unmöglich war, bei den ausländischen Vertrieben und Großhändlern als Lieferant gelistet zu werden, wenn man nicht mindestens 150-200 Titel im Programm hatte, nutzten wir die Möglichkeiten, die sich durch die Verbindungen und Schnittstellen von CD -Herstellung via Panteon, Labelkontakte durch Eigenproduktionen und Dragnet Direkteinkäufe bei den Labeln, ergaben.


Anfänglich noch gemeinsam mit Panteon in den Räumen der Süsterfeldstrasse als DRAGNET DISTRIBUTION agierend, ging TARGET EXPORT erst so richtig an den Start, nachdem die schmerzhafte Entscheidung gefallen war, die Labelarbeit einzustellen und das Ladenlokal zu schließen. Man bezog im Februar 1998 eher unauffällige Räumlichkeiten in der Weststrasse, die mit insgesamt knapp 450 m2, die angestrebten Expansionsbedürfnisse auch langfristig befriedigen sollten. Interessanterweise (auch für die AC Untergrund Kultur Blog Leser) war unser sehr freundlicher und umgänglicher Vermieter niemand geringerer als Horst Pach, der Sohn von ALLO PACH.



Zu Anfang noch schwerpunktmäßig im INDUSTRIAL und DARK WAVE Sektor agierend erweiterte sich das Angebot nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ immer mehr. Fast sämtliche Musikrichtungen wurden in das Programm integriert. Wir arbeiteten zum einen mit den Labeln DIREKT und dann meist auf Kommissionsbasis, zum anderen kauften/listeten wir ausgewählte Titel und Label inländischer Vertriebe wie EFA, INDIGO, ROUGH TRADE, NEUTON, usw. Dank einer eigenen, von einem Mitarbeiter selbständig weiterentwickelten Datenbank waren wir in der Lage, für bestimmte Territorien individuelle Exportrestriktionen zu integrieren. Dies war notwendig, um die Inlandvertriebe zu überzeugen, dass wir keine Länder belieferten, wo sie selbst aktiv waren.


Da wir unseren Kunden, meist Läden und Mailorder, in den wöchentlich erscheinenden, durchschnittlich 30 bis 40 Din-A4 Seiten umfassenden Neuheitenlisten, sehr informative Beschreibungen lieferten, verbunden mit einem sehr großzügigen Retourenrecht, konnten wir immer wieder interessante Stückzahlen auch von kleineren Acts und Labeln verkaufen. Wer sich ernsthaft interessiert, wie so eine Neuheitenliste ausgesehen hat, kann sich HIER ein Muster als pdf runterladen.


Eine immense Bereicherung unseres Programms erlangten wir Anfang des neuen Jahrtausends, als wir begünstigt durch die Dollarschwäche und dem Auffinden einer preislich attraktiven, kleinen Überseespedition, regelmäßige USA Lieferungen bezogen. Zum einen von Vertrieben und Großhändlern und zum anderen von diversen Labeln direkt.

Drei wesentliche Nackenschläge in kurzer Folge Anfang/Mitte der Nullerjahre läuteten das absehbare Ende des Großhandels ein. Zum einen erhöhte DHL (wo wir bis dato außerordentliche gute Exportkonditionen erhandelt hatten) die Versandpreise nach Japan, Australien und in die USA um teilweise 150-200 (!!) Prozent.

Unser umsatzstärkster Lieferant (fast 25%), meinte plötzlich den Export exklusiv in Eigenregie übernehmen zu können (was dann mittelfristig ordentlich daneben ging), und strich sämtliche Exportpreisnachlässe. Dies kostete uns viele Kunden, die primär DIESES Programm bei uns orderten und nur zusätzlich auch andere Label und Titel. Stück für Stück erholte sich der Dollar SOO gut, das es sich für viele US-Shops nicht mehr lohnte (auch wegen der erhöhten Portopreise) bei uns zu ordern.


Die lautlos schleichende Unwirtschaftlichkeit wurde durch die immer stärker werdende „Brennkultur des reinen Gewissens", der Endkonsumenten forciert. Dies finde ich aber insofern nachvollziehbar, da die CD-Preise über Jahre hinweg von der „Industrie" unnötigerweise hochgehalten wurden und die Kunden, dies nicht mehr mitmachen wollten, zumal sich nun ganz andere Möglichkeiten der Musikbeschaffung offenbarten. Wir versuchten in den letzten beiden Jahren noch mit einem Mailorderkatalog für Endkunden unter der Bezeichnung SOUND-CONTROL (ein gesonderter Beitrag folgt) dagegenzuhalten und obwohl der Mailorder kontinuierlich expandierte, wurden die Großhandelsverluste nicht in dem Maße kompensiert, dass wirtschaftlich sinnvoll weiter gearbeitet werden konnte.

Ende März 2008 wurde TARGET EXPORT nach 10 Jahren Weststrasse aufgelöst. In dieser Zeit gab es auch dort eine Unmenge erzählenswerter Dinge, für die ein Blog ja eigentlich herhalten sollte. Ob Kundenspezifisches, Paketabholserviceskurilles, personalrelevantes Absonderliches, Weihnachtsessen nach vorheriger Inventur, oder auch umfassendes Nahrungslieferantengedöns. Ich glaube es wäre ganz witzig noch das ein oder andere diesbezüglich einzustellen und hoffe dabei auch auf Erinnerungen, Einfälle, Hinweise, Kommentare ehemaliger Mitarbeiter. Erinnert sich eigentlich noch jemand an den ferngesteuerten Wolltypen, der sein außerirdisches Lager UNTER unseren Räumen innehatte?

Samstag, 10. April 2010

ASHTRAY BOY - THE HONEYMOON SUITE - SCOUT CD


John Henderson, den Chef des feinen, kleinen Chicagoer Indielabels FEEL GOOD ALL OVER traf ich zum ersten Male 1994 bei der South By Southwest Convention (SXSW), dem amerikanischen Pendant zur Popkomm / Midem, im texanischen Austin.

Henderson war ein sehr liebenswerter und sympathischer, leider aber auch etwas unzuverlässiger Mensch, wie sich in den Folgejahren zeigen sollte. Wir arrangierten eine Art Lizenztauschdeal. Wir gaben ihm die exklusiven Herstellungs- und Vertriebsrechte für unsere geplante DAVID BU-SARAS (VIRGIN PRUNES) Veröffentlichung und erhielten dafür die weltweiten (mit Ausnahme der USA und Kanada) Rechte für die ASHTRAY BOY CD - THE HONEYMOON SUITE.

Auf die war ich nicht nur besonders scharf wegen der guten Musik, sondern auch weil die zu dieser Zeit zu Recht umjubelte LIZ PHAIR auf 2 Stücken mitwirkte und wir guter Hoffnung waren, der Produktion dadurch ordentlich Zunder geben zu können. Interessanterweise erfuhr ich einige Drinks später, dass Henderson von ca. 1992 an mit Liz Phair zusammen war und mit ihr die Weichen und Demoaufnahmen zu ihrem ersten Meisterwerk EXILE IN GUYVILLE, realisierte.

Ausdauernd und letztendlich erfolgreich umflatterte BRAD WOOD, der umtriebige Schlagzeuger von URGE OVERKILL, das ungeschliffene Phair-Juwel. Da er gute Kontakte zu dem MATADOR Label hatte und ein eigenes, wenn auch überschaubares, Soundstudio besaß, vermittelte oder arrangierte oder intrigierte er derart geschickt, dass Liz, die Matador-Macher dem Freund und FGAO Label vorzog.

Aus wirtschaftlicher Sicht sicher die richtige Entscheidung, zumal Matador die Rechte für das Nachfolgealbum WHIP-SMART in deutlich sechsstelliger Summe an ATLANTIC verdealen konnte und somit zum einen der Grundstein für die unzähligen nachfolgenden LIZ PHAIR Coverstarablichtungen in Musik, Fashion und Zeitgeist Magazinen gelegt wurde, andererseits die deutliche Kapitalerhöhung den Matador Motor erst so richtig Zunder gab. Nur John ging leer aus.

ASHTRAY BOY ist ein Projekt des reiselustigen Australiers Randall Lee, der in wechselnder Besetzung, das Projekt AB auch dadurch am Leben hielt, weil er seine diversen Wohnorte in Vancouver, Sydney, Chicago, Melbourne, etc. mit lokalen Musikern temporär bereicherte.

Nachdem er Anfang der 90er die Kritikerlieblinge THE CANNANES verlassen hatte, um kurzzeitig mit Suzannah Stewart-Lindsay und Francesca Bussey die Band NICE zu gründen und dort ebenfalls auf FGAO zwei sträflich missachtete Alben zu bieten, veröffentlichte er mit ASHTRAY BOY im November 1993 mit THE HONEYMOON SUITE das erste und sicherlich beste Album seiner Karriere.

Mit dabei unter anderem DAVE TRUMFIO, dem die KINGSIZE STUDIOS in Chicago gehören und der immer wieder mit illustren Musikern (WILCO, MEKONS, PALACE BROTHERS, JON SPENCER'S BLUES EXPLOSION, etc.) zusammenarbeitete.

Zu Hören gibt’s das bezaubernde Duett mit Liz Phair (INFIDEL), sowie HIT und als Download das gesamte Album.
download

INFIDEL


HIT

Freitag, 2. April 2010

CONSCIOUS PILOT - ELVES DEMOTAPE


Absolut keine Infos von oder über CONSCIOUS PILOT außer einer 15 Jahre alten Telefonnummer aus MAIDSTONE in ENGLAND und den Titelangaben beider Stücke.

I Wonder (Original Mix) und Burning Empire (Riot Mix). Eigentlich dürfte man daraus schlussfolgern, dass es vermutlich noch andere Mixe dieser Stücke gibt.

Der Stempel des Vereinigten Königreiches datiert den Umschlag ohne Absender (!), in dem sich die Kassette befindet, auf 1995 (den Rest kann man nicht entziffern).

Während BURNING EMPIRE ein verworrenes DRUM&BASS angegroovtes, aber dennoch nicht clubtaugliches Stück Durchschnittsmusik offenbart, zeigt I WONDER durchaus Potential, auch wenn der Track stark an PRAM mit hochgepitchtem BETH GIBBONS Gesang erinnert und demoversionstypisch etwas unfertig rüberkommt.

Reicht definitiv nicht für den SCOUT-BLOG-SINGLES-CLUB.
Sollte jemand dennoch den anderen Track „brauchen“, dann kurz melden.