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Mittwoch, 31. März 2010

MERCANTAN CD AUF DRAG & DROP



Unter den Industrialveröffentlichungen auf Dragnet und Drag & Drop stellten deutsche Künstler in all der Zeit eher die Ausnahme dar. Besonders "singulär" war die CD "IX" von Mercantan - diese ist keinesfalls die neunte, sondern (leider) die einzige reguläre Veröffentlichung des Duos.
Kennengelernt hatte ich die beiden jungen, sympathischen Herren aus dem nördlichen Ruhrgebiet auf meinen landesweiten Konzert- und Diskothekenstreifzügen Anfang der 90er Jahre. Uns verband das Interesse an klassischem Industrial und Dark Ambient, ein Feld, das zu der Zeit recht viele Releases hervorbrachte.

Mercantan unterschieden sich dennoch in ihrer Art von der Masse dieser VÖs durchaus: Die Stücke waren stets relativ kurz und hatten einen fest definierten Spannungsbogen, niemals webte man bloß Klangteppiche oder verlor sich im Spiel mit dem Geräusch an sich. Zudem hatte man sich konsequent der Klangerzeugung mit analogen Synthesizern verschrieben.

Als ich das selbstproduzierte Demotape der Band anbrachte, ging es recht flott mit der Veröffentlichung: Rasch wurden die Stücke neu produziert, das Tracklisting auch leicht verändert, aber Design und Konzept blieben bestehen, die musikalische Richtung sowieso.
Konzeptionell beschäftigte sich das Album mit dem Kontrast von Industrialisierung und Natur, was sich auch in den Fotografien des ansonsten sehr kryptisch gehaltenen Booklets wiederspiegelte.

Das Album bekam insgesamt gute Kritiken, und 1995 sollte die Band dann auch gemeinsam mit Ant-Zen Labelchef SALT im Aachener AZ eines ihrer ganz wenigen Konzerte spielen (wenn jemand Fotos haben sollte - ich wäre sehr interessiert!). Teile davon erschienen auf einem Split-Live-Tape, dessen Auflage von 100 Stück extrem rasch vergriffen war.


Leider wurde es danach ganz schnell ruhig um die Band: 1996 erschien noch ein Stück auf einem edel aufgemachten Vinylsampler bei Ant-Zen, das eine minimalere Richtung der Band andeutet, kurz darauf war dann aus privaten Gründen Schluss mit Mercantan.

UPSTREAM


Samstag, 27. März 2010

VISITENKARTENGESCHICHTEN


Beim Durchsehen, Sortieren und Auswählen von blogtauglichem Material stieß ich auf eine zigarrenkistengroße Dose mit einer recht großen Anzahl aufbewahrter Visitenkarten aus der Musikbranche, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hatten.

Wie bereits in meinem New York Reisebericht zu sehen, haben viele Karten nicht nur eine nostalgische und ästhetische Note, sondern sind auch graphischer Ausdruck einer angedachten oder auch verwirklichten Geschäftsphilosophie, durchaus vergleichbar mit den Layouts und Logos von Schallplattenlabeln.

Der Erhalt fast aller Visitenkarten war eine Momentaufnahme jungfräulicher Geschäftsverbindungen, Hoffnung weckender Versprechungen und neu entstehender Ambitionen und Ideen.

Hinter vielen dieser Kärtchen nisten kleine Geschichten, Anekdoten, Erwartungen und Enttäuschungen, Aussagekräftiges und Banales..
Viele Karten sagen mir aber auch so gut wie nichts mehr und ich kann sie nur noch mit Mühe gedanklich zuordnen. Es gibt aber auch andere. Karten von Geschäftspartnern, mit denen man jahrelang zu tun hatte.


Ich werde von nun an immer wieder einmal einige von denen einstellen, wo eine (sehr) kleine Geschichte zu geschrieben werden kann, die entweder etwas Skurriles oder Witziges bietet oder aber in irgendeiner Art und Weise stärkeren Einfluß auf den Shop, die Label oder den Großhandel ausübten.

Zu den sechs in diesem posting abgelichteten Karten habe ich keine wirkliche Story, außer dass ich sie graphisch ansprechend finde.

Freitag, 26. März 2010

PANTEON GOES POP KOMM



Diese pittoreske Werbe –und Einladungskarte haben wir im Vorfeld zur PopKomm 1994 oder 1995 (bin nicht mehr ganz sicher) entworfen und drucken lassen.

In diesem Jahr hatten wir zum ersten Male einen eigenen Stand auf der Popkomm.
Im Folgejahr mieteten wir eine gemeinsame Standfläche für PANTEON und SCOUT an. Leider habe ich keine Fotos von den Ständen, obwohl beide sehr ansprechend gestaltet waren.

Die Messe und die sich ergebenden zusätzlichen Kontakte waren für uns ein großer Erfolg und die Keimzelle der Entscheidungsfindung mittelfristig umzuziehen, eigene Produktionslinien anzuschaffen und so unabhängiger von Zulieferern und gewinnoptimierter, wenn auch risikobereiter, arbeiten zu können.

Sonntag, 21. März 2010

THE FALL - THE LEGENDARY CHAOS TAPE



Für viele FALL Fans (mich eingeschlossen) ist es DIE ultimative FALL Live-Aufnahme schlechthin. Nicht nur aufgenommen auf dem ersten Höhepunkt ihres Schaffens, nämlich eingebettet zwischen GROTESQUE und HEX ENDUCTION HOUR, sondern kulminierter und pointierter Ausdruck des typischen THE FALL Sounds.

Ende 1981 als Kassette auf dem legendären englischen CHAOS TAPE Label veröffentlicht, präsentieren die Aufnahmen einen Gig vom 12. Dezember 1980 in der Acklam Hall (später umbenannt in SUBURBIA) in London. Aufgenommen von GRANT SHOWBIZ persönlich.

Die SCOUT CD Veröffentlichung, denen einige kompliziertere Verhandlungen mit Mr. Smith und den leitenden Angestellten von COG-SINISTER vorausgingen, stieß seinerzeit auf große Resonanz und Freude bei den Fall Fans. Wir erhielten zahlreiche Glückwünsche und Belegexemplare vieler Fanclubmagazine, die die CD-VÖ, auch aufgrund der unveröffentlichten Fotos, feierlich rezensierten.

Zu sämtlichen SCOUT Veröffentlichungen und einigen DRAGNET und ELVES VÖs erschien jeweils zusätzlich eine 200er oder 300er Promoauflage mit entsprechendem CD-Promoprint für Radiostationen und Zeitschriften und Fanzines in aller Welt. Diese sieht man verständlicherweise heute nur noch selten.

Zum Reinschnuppern als DIVStream: THAT MAN und ENGLISH SCHEME, das ganze Album als download weiter unten.
Auf der Inlaycard wurde auch erstmalig bei einer Eigenproduktion PANTEON (das spätere CD-Presswerk) erwähnt. Da wir zu der Zeit noch die CDs über den englischen CD-Hersteller Disctronics fertigen ließen, stand auf der Inlaycard MADE IN ENGLAND.

Nur dem sorgfältigsten Archivar und/oder Sammler wird aufgefallen sein, dass die FALL-CD als einzige SCOUT Veröffentlichung den Labelcode SAR hatte, anstatt des üblichen SR (für Scout Releases).

Da wir mit der Idee spielten, evtl. weitere Liveaufnahmen oder Re-Issues anderer Bands zu lizensieren (wir verhandelten damals lange aber erfolglos mit Warner Brothers, um PSYCHIC TVs - Force the head of chance wiederzuveröffentlichen), wollten wir derartige Veröffentlichungen mit dem Labelcode SAR für SCOUT ARCHIVE RELEASES versehen.

Letztlich blieb es dann aber bei der FALL CD als ARCHIVE release.

Wir haben diese CD dann knapp 18 Monate nach VÖ noch für die USA verlizensieren können. Sie erschien dort in anderem Cover bei dem liebenswerten Label: FEEL GOOD ALL OVER.

Ein sehr aussagekräftiges Review dieser Aufnahmen findet man hier:


THAT MAN


ENGLISH SCHEME


download

Samstag, 20. März 2010

MEMORABILIA




Ein schöner Nebeneffekt der Zeit bei Dragnet war, dass man einige Erinnerungsstücke ansammeln konnte, die tatsächlich auch heute noch etwas Besonderes sind. Schließlich war der Laden in der Musikszene wirklich gut vernetzt.

So findet sich in meinem Archiv diese Promo-Postkarte von COIL zu zwei CD-Veröffentlichungen aus dem Jahre 1995. Diese dürfte an sich schon eine Rarität darstellen, der Dragnet-Eingangsstempel (mit dem alle Post versehen wurde), verleiht dem guten Stück das Prädikat "besonders wertvoll".

Man beachte zudem die Verwendung der 4-stelligen Postleitzahl, schon damals anachronistisch.

Montag, 15. März 2010

VIDEOREGAL IM SHOP



Ein Fotofund mit der enthaltenen Aufnahme des Videoregals, den ich zeitlich nur grob einordnen kann. Aufgrund des JACK OR JIVE Plakats, kann es in keinem Falle VOR Juni 1994 aufgenommen sein. Aufgrund der SALLY TIMMS und JONBOY LANGFORD CDs bei den CD-Neuheiten vorne auf der Theke, datiere ich es eher in das Frühjahr 1995.

Was mich aber im Besonderen interessiert. Stand das Videoregal eigentlich bis zum Schluss da? Ich entsinne mich nämlich gut, dass kaum Videos verkauft wurden. Oder haben wir das Regal nachher anders genutzt. Für CDs oder Eigenproduktionen oder Zeitschriften...?

Das Foto zeigt auch einen der eher selteneren Momente, wo kostbare Dekorationsfläche ungenutzt blieb
.

Freitag, 12. März 2010

SYCDUCK - SCOUT DEMOTAPE




SYCDUCK kamen aus Lancaster in England und ihr professionelles Demotape, das man damals (1994) offensichtlich auch mit einem ansprechenden Fanzine des (Eigen?)labels GRIMM PRODUCTIONS für umgerechnet 6 DM erstehen konnte, klang stark nach 80s Post-Punk meets Butthole Surfers, dabei leicht angeMETALt präsentiert und das passte nun so GAR nicht in unser Labelprofil.

Allerdings sollte man Tapes immer durchhören, denn dann wird man manchmal auch belohnt. Im vorvorletzten Track ruht der Sänger und lässt eine Vertreterin der holden Weiblichkeit mit dem einfallslosen Pseudonym Debra Dumb (deren Stimme mich positiv an jemanden erinnert - ich komme nur nicht drauf an wen...) ans Mikrofon.

Später soll es dann eine Single "Wash Your Mouth Out", sowie eine LP auf PLASTIC HEAD mit dem Titel "Magic Beans" gegeben haben. Beide Teile jedoch OHNE den hier angebotenen FEMALE VOCAL und BLOG-SINGLES-CLUB track: Yellow Teeth.

Samstag, 6. März 2010

SALLY DOHERTY - DEBUT CD auf ELVES



Wie sagt man doch so schön....es schlug ein wie ein Blitz. In dem Falle von SALLY DOHERTYs erstem DEMOTAPE geschah genau dies. Ich kann mich rückblickend nur schwer an ein anderes Tape erinnern, das einen derartigen Eindruck hinterlassen hat.

Die durch Klavier, Cello, Harfe und Geige dominierte klassische Instrumentierung wird kunstvoll mit rituell-perkussiven Klängen versetzt. Ein idealer Hintergrund, um Sallys ausdrucksstarken Gesang zur Geltung zu bringen, der sich von sanfter, harmonischer Eindringlichkeit punktuell zu einer Vokalakrobatik entwickelt, die das Werk gelegentlich in eine anmutig avantgardistische Richtung lenkt.

Nach einmaligem Hören war klar, dass wir ihr Debut Album produzieren MÜSSEN. Glücklicherweise waren die Verhandlungen mit Sally problemloser Natur. Die Studiokosten hielten sich in Grenzen, dafür bedurfte das aufwendige Booklet einiger Abstimmungsfeinheiten und überstieg die erwartete Druckkostenkalkulation in nicht unerheblichem Maße. War aber egal...wir wollten dieses außergewöhnliche Projekt genau SO veröffentlichen, wie die Künstlerin es wollte...ohne wenn und aber. Ich erinnere mich aber nur ungern an die Entscheidungsfindung auf welchem unserer Label die CD veröffentlicht werden sollte.

Zu der Zeit dieser Veröffentlichung waren die gesamten Zeitkapazitäten abgezwackt für die aktuelle Veröffentlichung und die erste von uns organisierte Deutschlandtour unseres SCOUT Zugpferdes und InHouse Lieblingsband THE HANDSOME FAMILY. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätten wir SALLY DOHERTY sicherlich auf SCOUT veröffentlicht und mit einer umfassenderen Promotionskampagne noch stärker zu pushen versucht.
Verdient hätte dieses Album es allemal.

Andererseits wollten wir auch ELVES qualitativ weiter verstärken und wir hatten uns ja durch JACK OR JIVE auch schon einige Sporen im angesagten ETHEREAL WAVE Sektor erkämpft. Die CD wurde weltweit fast euphorisch besprochen und wir hatten mehr als 40 verschiedene Reviews gesammelt, was sich verkaufstechnisch aber nicht zwingend (wenn auch nicht enttäuschend) wiederspiegelte. SALLY DOHERTY war kurz nach Veröffentlichung der CD mit der damaligen KARL BLAKE Formation LEFT HAND RIGHT HAND als Co-Sängerin und Flötenspielerin auf Europatournee. Eigentlich waren Doppelkonzerte mit Ihr als Solistin und mit LHRH geplant, damit schien WORLD SERPENT, der damalige Vertrieb von LHRH aber organisatorisch überfordert zu sein. Ein ehrgeiziges Projekt war die Realisierung eines Experimentalfilms THE SEA NYMPHS, zu dem sie die Musik schrieb, die als Finale auf ihrem Debut-Album zu hören ist.


Noch ein klein wenig Biographie: SALLY DOHERTY ist eine englische Ausnahmekünstlerin und hat bisher 10 Alben veröffentlicht, die qualitativ durchweg ein sehr hohes Niveau haben halten können. Auf ihrer Homepage kann man umfangreich in ihrem Werk wühlen und recherchieren und auch ihre Zusammenarbeiten mit RICHARD HAWLEY, der ja einige hervorragende Alben auf MUTE veröffentlichte, PLANET FUNK, MATT HOWDEN (SIEBEN) oder DONALD GRANT näher begutachten. Besonders bemerkenswert sind ihre beiden LATIN JAZZ Alben, veröffentlicht als SALLY DOHERTY QUARTET. Ihr aktuelles Album, diesmal als Sängerin/Songwriterin einer umgestalteten Band namens ELECTRIC BUTTERFLY sei hiermit wärmstens empfohlen.

Zwei schöne und passende Reviews zu ihrem D&D Debut:

Sally Doherty’s overwhelming debut album is an enchanting journey through a myriad of sound and voice-scapes. The acoustic instrumentation is sometimes lush, sometimes minimal. African and Indian percussion offer a mesmeric rawness which contrasts brilliantly with the fluidity of the piano and strings. Occasionally Sally uses merely the percussive and harmonic qualities of her voice to create a piece of music. The backing varies in mood and style to suit Sally’s changeable and expressive voice. The voice is sometimes a soft and focused closeness and at other times strong and full or instrumental and abstract. The experience is emotionally intense throughout. The music is inspired by several genres and ancient musical forms yet in itself is contemporary.

Possibly the most intriguing 50-plus minutes you’re likely to set your ears on… as ambitious as it is simple and as beautiful as it is brooding. Sally’s chameleon-like voice provides an unpredictable continuity… her album is a simmering cauldron of vocal gymnastics and wonderous instrumentation.


AWAKE




LONG WALK HOME




ENNUI




Freitag, 5. März 2010

DAS DRAGNET LABELGEFLECHT


Sicherlich ist es nicht nachteilig, einmal ein wenig mehr Licht in das Labelgeflecht von DRAGNET zu bringen. Es gab die folgenden Label/Unterlabel/Sidelabel und zwar entstanden in dieser Reihenfolge: DRAGNET RECORDS, DRADOMEL, ELVES, DRAG&DROP (mit vier stilistischen Unterteilungen) und SCOUT RELEASES.
Wir starteten nahezu zeitgleich das Industrial Label DRAGNET RECORDS und das Kollaborationslabel (mit Dom Elchklang) DRADOMEL Anfang 1991 aus den Hinterräumen des Ladenlokals. Ca. 1993 folgte ELVES, konzipiert als angedunkeltes, ätherisch-romantisches und/oder avantgardistisches Label mit deutlicher Fokussierung auf das Vorhandensein extravaganten Frauengesangs.
Aufgrund einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit SONY, die 1992 ein namensgleiches Label DRAGNET RECORDS mit Veröffentlichungen von u.a. BAD RELIGION auf dem Markt platziert hatten, das unsere liquiden Mittel ordentlich erhöhte, aber die weitere Nutzung des LABELS Dragnet Records untersagte, haben wir die Industrial-Label-Namensänderung von DRAGNET RECORDS in DRAG&DROP vollzogen.
DRAG&DROP mit den stilistischen Feineinteilungen (Industrial / Ambient / Ritual / Elves / Classics) war eine etwas überambitionierte Idee, das damalige Industrialkorsett zu erweitern. Industrial, Ambient, Ritual erklärt sich selbstredend, Classics war angedacht für Wiederveröffentlichungen rarer LPs und Elves sollte als eigenständiges Label eingestellt und bei D&D zusortiert werden.
Übrigens war lange Zeit SPOT ein interner Favorit für den neuen Post-Dragnet Labelnamen. Wie es uns damals gelungen war, ROUGH TRADE dazu zu bringen, die Industrial-Produktionen ebenfalls zu vertreiben, bleibt mir bis heute ein Rätsel.
Ab 1994 erfolgte die Labelarbeit in den gemeinsamen Räumen des entstehenden Exportgroßhandels TARGET, der da aber noch DRAGNET DISTRIBUTION hieß. Auch die administrativen Arbeiten von PANTEON, dem späteren Alsdorfer Presswerk, wurden von dem Bürogebäude in der Süsterfeldstrasse aus gesteuert.
Im Frühjahr 1994 entstand das Indie/Alternative orientierte SCOUT RELEASES und ging dann mit der JOHNNY CASH Cover Produktion des MEKONS Kopfes JON LANGFORD an den Start.