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Samstag, 27. Februar 2010

DRAGNET EINKAUSFSTOUR IN NEW YORK



NEW YORK CITY HERE I COME... Die Stadt aller Städte für den ersten großen DRAGNET Einkaufsbummel auszuwählen, zeugte, im Nachhinein betrachtet, schon von einer wohldosierten Mischung aus Leidenschaft, Unbedarftheit und Zielgerichtetheit, vor allem da ich zuvor noch nie über den großen Teich geflogen bin. Ich landete einen Tag nach Bush Seniors IRAK Angriff auf dem JOHN F. KENNEDY Flughafen.

Es war gegen 01.00 Uhr nachts und nach dem ausgiebigen Schmökern des panikmachenden Reiseführers eines bekannten Verlages während des Fluges, glaubte ich nicht, das gebuchte Hotel in der 38th Street lebend zu erreichen. Da in diesem Einschüchterungswerk dringend angeraten wurde, nach Möglichkeit den Reisebus nicht zu verlassen, wenn man beispielsweise die Bowery oder St. Marks Place passiert und eigentlich gar keinen Fuß nach Einbruch der Dunkelheit vor die Hoteltüre in Midtown setzen soll und schon gar nicht eines der ‚nichtgelben’ Taxis am Flughafen wählen darf, da Entführung, Raubmord oder Schlimmeres drohen, war der unschöne Abschluß meiner Reise, bereits nach der Landung besiegelt. Erstens WAR es dunkel, zweitens musste ich in ein Midtown-Hotel und drittens gab es, aufgrund übertrieben lange dauernder Passkontrollen, nur noch weiße, schwarze und andersfarbige Taxis, aber keines der YELLOW CABS. Also drei Grundvoraussetzungen, die laut Reiseführer, ein Überleben in New York unmöglich machen, waren erfüllt.

Natürlich alles Quatsch. Nach 2 Tagen war ich ausgejetlagt und bewegte mich in den Straßen New Yorks sicher, abenteuerlustig und einkaufsfreudig hoch zehn. Auch nur einen Teil der Eindrücke von New York zu schildern ist mehr als müßig, ein eigenes Blog müsste man mehrfach täglich füttern um auch nur ansatzweise dieses besondere Flair und alles Beachtenswerte anzureißen. Ich hatte bisher das Glück und Vergnügen viele Städte und Metropolen besuchen zu können, aber nichts, wirklich gar nichts ist mit New York City vergleichbar. Ich hatte in akribischer Kleinarbeit im Vorfeld recherchiert (es gab noch kein Google und Konsorten!) und Auskünfte, Informationen und Tipps von Insidern gesammelt um eine essentielle Auswahl an Schallplattenläden zu notieren, die es zu besuchen galt.

Die Idee diesen kleinen Reisebericht zu schreiben, kam mir beim Durchstöbern alter Reiseunterlagen, die ich organisatorisch zweifelhaft aber zumindest konzeptionell, alle in einem riesigen Umzugskarton mit der unleserlichen Aufschrift „Reisedokumente und Souvenirs“ aufbewahre. Geschäftsreisen mixed mit Strandurlaub, Wanderrouten und Radtouren oder Schallplattenbörsentrips, bzw. Einkaufstouren. In der kleinen NEW YORK Mappe fand ich denn auch das auf dem Foto abgelichtete und abgegriffene Blatt Papier der ‚zu besuchenden’ Läden mit handschriftlichen Notizen und Häkchen.

Von den besten Läden habe ich dann auch, insofern vorhanden, eine Visitenkarte mitgenommen, die ich hier gerne präsentiere. Ich glaube nicht, dass noch viele dieser coolen Shops existieren, aber viele New York Vinyl und CD Touristen, die in den frühen 90er Jahren dort waren, werden diese Läden besucht haben und sich vielleicht an der ein oder anderen Karte erfreuen, so wie ich dies beim Durchsehen tat.

Einige dieser Läden bewarben ihre shops schon in den späten 70er Jahren in einigen US Punk-Fanzines oder New Wave Magazinen, die ich auch hin und wieder gerne durchblättere. Sehr interessant war der Laden PIER PLATTERS in Hoboken, das bereits zu New Jersey gehört, wenn mich nicht alles täuscht. Da kommt man natürlich easy mit der New York Subway hin, aber ich weiß noch genau, wie es war, der U-Bahn zu entsteigen und nach 5 oder 6 Tagen den Moloch Manhattan aus der Ferne zu sehen.

Wie ruhig, wie anders, wie in eine andere Welt gebeamt.

Der ACADEMY BOOK STORE war sehr beeindruckend, ein typischer Laden, wo man sich 12 Stunden aufhalten kann und nur einen Bruchteil der interessanten Sachen in Augenschein nehmen konnte. Dieser Laden kaufte später DIREKT bei uns die DRAGNET- CDs von MAAT und bestellte erstaunlicherweise immer wieder nach. Die anderen VÖs interessierten den Inhaber nicht, aber DIE fand er toll. Ein klares Zeichen, mit wie viel Gefühl er seinen Laden bestückt hat.

Die Visitenkarte von Bleecker Bob’s, dem Urgestein in Downtown und mehrfach ausgezeichnet für die unfreundlichste Bedienung im Staate New York, ist leider nicht gut zu erkennen. Ein überteuerter und schlecht organisierter Laden, der gegen 2002-2005 immer wieder mal bei unserem späteren Export Grosshandel TARGET kaufen wollte, es aber irgendwie nie auf die Reihe bekam.

Der Ramschladen Tell 5 Friends hatte nur wenige Tage vor meiner Ankunft die Pforten geöffnet und so wie er aussah sicherlich auch nur einige Tage nach meiner Abreise wieder geschlossen. Tote Mäuse in den Ecken oder unter den Tischen und anderes Ungeziefer sah man vorbeilaufen. Hatten in erster Linie Klamotten und nur 2 Kisten mit Singles, wo ich jedoch ein Dutzend guter Punksingles für ein paar Dollar habe erstehen können. Jedenfalls hatte sich die gesamte Tour gelohnt, ich habe viele interessante Scheiben finden können, das meiste jedoch eher in Läden außerhalb, von denen es auch meist KEINE Visitenkarten gab und die auch teilweise NICHT auf dieser Liste stehen, sondern durch Empfehlung des ein oder anderen freundlichen Ladenangestellten übermittelt wurden.

Besonders fündig wurde ich in einem Laden, der unter normalen NY Besucherbedingungen unmöglich zu finden war. Ich hatte die Adresse von einem Mitarbeiter von FOLKWAYS bekommen. Er befand sich in einer nahezu unbewohnten kleinen Gasse in unmittelbarer und wenig vertrauenserweckender Nähe der Docks. Man musste in eine Einfahrt, eine Außentreppe hoch und dann in einen Aufzug und 1 Etage hochfahren. Die Aufzugtür öffnete sich und man stand UNMITTELBAR in einem riesigen, mit Teppichboden ausgelegtem Laden, der bibliotheksähnlich die Platten in Regalen verstaut hatte...also keine Verkaufstische. Es gab nur Klassik (80%) und Jazz und Blues. Bei den Klassikplatten gab es aber ein Regal mit sehr vielen zeitgenössischen Komponisten und viel Elektronikscheiben von Labeln wie LIMELIGHT, TURNABOUT, NONESUCH, OPUS ONE, EVEREST, CRI, FINNADAR, GRAMAVISION, LOVELY, usw. Bin leider, unerfahren wie ich da noch war, mit NUR ca. 60 Scheiben rausmarschiert. Bei meinem zweiten NY Besuch knappe 2 Jahre später und dem festen Vorhaben, richtig zuzuschlagen, existierten weder der Laden, noch der Aufzug.

In einem anderen, nur durch Zufall entdeckten Seitenstrassenshop – na ja -shop kann man es eigentlich nicht nennen, es war eher ein zum unmittelbaren Abriß bestimmter Raum, in dem Betonstücke, Holzstreben, Steine und anderes Baumaterial, inmitten von leeren Joghurtbechern und Getränkedosen rumlagen, bewacht von einem komplett zahnlosen Junkie Ende 20, voll auf irgendwas und mit den riesigsten Pupillen, die ich jemals sah.

Inmitten von diesem Chaos stand auf einer Art Regiestuhl eine Plastikkiste (das gesamte Inventar!), gerappelt voll mit STUDIO ONE REGGAE LPS (Originale und Nachpressungen gemischt) und selbstverständlich unbepreist. Auf meine Frage hin, was denn die Platten kosten würde, geriet der Mensch in totale Hektik, lief immer wieder gehetzt durch den Bauschutt ohne einen Preis zu nennen und meinte dann irgendwann, die Kiste wäre gerade aus Jamaica angekommen und er würde seinen Laden (!!) erst (übermorgen !!!!) eröffnen. Was die Platten, denn DANN kosten würden, fragte ich und er meinte, so um die 5 Dollar (just about). Ich meinte mich verhört zu haben, aber schlug sofort vor, die ganze Kiste (ca. 60-70 Platten) für 250 Dollar zu kaufen. Nachdem er gut fünf Minuten lang kommentarlos und noch hektischer von einer Ecke des Ladens zur anderen hastete, stürmte er plötzlich mit erhobenem Zeigefinger fuchtelnd auf mich zu und meinte er könne wohl nicht wechseln (!?). Glücklicherweise hatte ich es klein, gab ihm die Scheine und suchte so schnell es ging das Weite. Offensichtlich hatte ich ihm in wenigen Minuten die jahrelang geplante Existenzgründung zunichte gemacht, indem ich den ganzen Bestand kaufte. Jedenfalls waren diese beiden Käufe die lohnendsten dieser ersten New York Tour.

Ganz ohne Touristenattraktionen kommt man natürlich nicht weg. Ich besuchte unter anderem auch das World Trade Center. Das Layout der Eintrittskarte hat natürlich heutzutage einen zwiespältigen Charakter.

Auf dem Abreisefoto sieht man die Ware, die ich (gegen unerwarteten Aufpreis) mit in den Flieger genommen habe. Ein grosses Paket mit Billigsachen habe ich per Schiff auf die Reise geschickt.

Kommentare:

  1. Walters Schnellimbiss27 Februar, 2010 18:26

    War das derselbe Downtown Music Gallery, nach dem bei Target ein DHL-Sendungsverfolgungs-Passwort benannt war, weil er täglich mit "wo ist mein Paket"-Anrufen genervt hat?

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  2. Nein...das war jemand anderes ;-)

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  3. Die Geschichte mit der Existenzgründung und dem jähen Ende durch Abverkauf des Gesamtbestandes wirft auch wieder ein neues Licht auf die Geschichte mit Jürgens Musikladen im AC-Blog.

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  4. Eine pädagogische Reflexion zwischen dem Pupillentypen und Jürgen? Hochinteressant!

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  5. Super Bericht und tolle Auffrischung meiner Erinnerungen. Ich war 2006 in NY. Bleecker Bob's und REBEL REBEL und DOWNTOWN MUSIC und ACADEMY und SOUNDS gabs da tatsächlich noch. Ganz toll war auch OTHER MUSIC und ein Laden in Brooklyn der hieß EARWAX und ein anderer CD Laden der hieß MUSIC MATTERS.

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  6. Hallo vinylgrabber...thanks für dein posting. Other Music war ich glaube ich auch...hat aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen (oder ich habe nicht viel Wiederverkaufbares gefunden). Hast DU irgendwelche BLEECKER BOB's Eindrücke mitgenommen? Gibt's denn sonst noch noch viele 2ndHand Recordshops in NY? Preisgefüge?

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  7. New York Kenner15 März, 2010 10:15

    Um interessante Platten zu finden geht man in die 'thrift stores' oder 'Garage-sales in Brooklyn' und nicht in die überteuerten Downtown shops.

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